Heldiot

Seit früh um vier
ein Turm von Fragen
ich sitze hier
um mich zu plagen
doch stört’s mich nicht
voll Zuversicht.

Kollegen alle längst schon fort,
der Chef ist auch schon lang daheim
Das Büro ist jetzt ein stiller Ort,
frei von tumbem Redeschleim.

Die Fenster sind nun dunkle Wände
ich denke eine Kleinigkeit
Kaffeezittern führt die Hände
bedenke sie für eine Zeit
Mund stinketrocken
ausgedörrt
Gedankenblitz zieht Speichelflocken
ins schwarze Loch
Nichts
was mich stört

Ich denke – was? Wo war ich noch?

Ein Blick zum schwarzen Fensterspiegel
seh ich mich grinsen.
Über meinem Brillenbügel
gelbgefleckte Brennstofflinsen
ein fratzenguter Witz.
Wangen, Brauen wollen kneifen
gußstahlstarre Willensreste
auf Naseweiß, schweißglänzend spitz
reiten dunkle Augenreifen

Ja, ich bin der Allerbeste.

Die Lochfraßopfer wieder raus
aus meiner Scharfsinnssenke.
Mein Bildschirm sieht so komisch aus
– Weiß ich was ich denke? –
ist völlig schwarz wie Druckertoner
der Arbeit Hälfte ist vollbracht
ach stimmt ja, ist der Bildschirmschoner.
Hah, nur keine Müdigkeit!
Rest schaff ich, wäre doch gelacht.

Erst zehne, bleibt noch ewig Zeit.

Das Aquarium der Finsternis
zückt zuckerbunte Lichterplatten
schlägt hinter mir den scharfen Riss
aus krummgehockten Körpers Schatten
als Wändedruck in später Nacht.

– Was war noch gleich mein Streben? –
Was wollt ich noch mit aller Macht?
Bald ist’s vollbracht,
will alles geben.
So dunkel hier
kurz Augenschließen
ein zahlreich schwarzes Traumgetier
ergießt sich – kaum mehr Licht zum Denken.
Pechzungengleich Gedanken fließen

Muss ich denn alle Zeit verschenken?

Blick wieder auf
doch stark getrübt
mitwandernd schwarzer Federschnee
was nächtens es nicht alles gibt
das ich solch wirre Dinge seh.

Zum Fertigwerden hab ich Lust
auf meiner Stirn nun kalter Schweiß.
Den Ledergürtel zieht mir wer
um die Brust!
Stahlklammerfaust!
wie’s in mir reißt…
ich atme
schwer
mein Herz
schläft
ein
will
kann nicht
schrei´n
hab Blut im Ohr…

schon Nichtgedanken…
Flackerkerze…
Schulterschwanken

Kalter Graus!

Mein Ich
und Denken
Licht
geht
aus…

…umfängt mich sacht
Bewusstsleere…
Nichts vollbracht…
…was fertig wäre…

3 Responses to “Heldiot”

  1. blogpoesie sagt:

    „Heldiot“ ist zu diesem Gedicht eine super Wortschöpfung.
    Ansonsten erinnert mich der Text an die Zeit kurz vor meinem Einstieg in den Ausstieg.

    LG
    Petros

  2. brynhild sagt:

    Leider schreiben oder sagen gerade

    „die Allerbesten“

    nicht immer oder gar selten

    wann die Nacht sie einholt

    und die Fratzen durch das Beste

    reisen.

    Du hast es trefflich aufs Pflaster geworfen !

    …..und bist aus der Leere wieder aufgestiegen

    (bis zum nächsten mal)

    Brynhild

  3. Gedanquill sagt:

    Die Zeilen aus „Heldiot“ sind nicht autobiografisch.

    Das Thema ist mir natürlich nicht ganz fremd. Bisher war ich als „Grenzgänger“ jedoch immer darauf bedacht, mich nur bis auf Sichtweite an den Gefahrenbereich annähern zu wollen.

    Nichtsdestotrotz sieht man die drohende Düsternis eines Sturmes am Horizont deutlich genug.
    (Vielleicht sogar deutlicher als wenn man sich noch näher heranwagt)

    ..und manches Unheil steigt aus dem Boden wie Nebel aus dem Sumpf.

    Beste Grüße,
    Gedanquill

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