Bettelgott

Hier Unterführung, dunkel dreckig,
dort kalt beweintes Buntsteinpflaster.
Ein Bettler hockt, Klamotten speckig,
vor ihm das Mützlein für den Zaster.

Hält krumm gebeugt den Kopf gesenkt.
Sein Haar ist fettig, nicht bedeckt.
Hält vor mir sein Gesicht versteckt,
möcht sicher gerne Geld geschenkt.

Sitzt noch im Trocknen, schon im Licht
ein bessres Plätzchen gibt’s hier nicht.

Und weil ihm grad das Leben fad
liest er ein Buch ganz angestrengt,
dass er nicht so ans Betteln denkt.
Schier Stein er starrt zur guten Tat.

Erklären braucht er auch nicht viel.
Ein Pappschild klare Auskunft weiß:
Muss Betteln – ihm ein Kinderspiel
ihn Lesen lassen lohnt den Preis.

Die Mütz schon manche Münze hält
und die Lektüre scheint gewitzt.
Zufrieden blickt er auf das Geld.
Es scheint, dass er hier gerne sitzt.

Ein junger Kerl, könnt Bäume heben!
sieht wohlgenährt und kräftig aus.
Warum soll ich ihm etwas geben?
Er sieht doch so beschäftigt aus.

Ist’s etwa ein geringster Bruder,
ist Jesus, gleich, von mir beschenkt?
Trügt ohne Puder Wohlstands Luder,
geheim sich Hohn und Häme denkt:

„An Langmut leidet diese Welt:
Viel Gram im Spiel zwingt Scham zu Geld!“

Ich denk an Jesus, ruf ihn leis‘.
Der Bettler liest, hat nicht gehört.
„Herr Jesus, zahl ich Dir die Speis‘?“
Kein Wort den Tropf beim Lesen stört.

Scheint so beschäftigt, keine Zeit.
Ich geh aus reiner Höflichkeit.

Und später auf dem Weg nach Hause
seh ich ihn im Gespräch versunken.
Des Pappschild’s Botschaft ist nun „Pause“.
Es wird gelacht – und Bier getrunken.

Ich trotte heim, fühl mich zerrissen
Des Lasters Kosten mir zur Last!
Welch Wähnen wundet mein Gewissen?
Kein Goldstück hab‘ ich angefasst.
.

8 Responses to “Bettelgott”

  1. brynhild sagt:

    Oft schon ging ich ähnlich
    die Gabe im Herzen
    zu geben
    manchmal ging ich vorüber
    wenn ich die Flaschen sah
    die den Bettler säumten
    da ich dachte
    „wenn ich ihm jetzt noch gebe
    von dem wenigen, was mir geblieben
    so wird er weiter saufen“
    und dennoch – oft hab ich gegeben
    bedenk ich doch, daß immer noch ein
    Dach meinen Kopf bedeckt
    und tauschen möcht ich auch nicht
    mit dem Kalten, mit den Blicken
    mit dem ‚was andere falsch denken“.

    Und auch – ich kenne das –
    die Zerrissenheit
    vorbei zu gehen, oder darauf einzugehen
    und weiß
    wie oft war ich schon in Gelegenheit
    das Dach das schützende gleichsam zu verlieren,
    doch sitzen würd ich nicht – und trinken würd ich auch nicht
    dem Leben aus dem Wege gehen würde ich
    mit Würde – das versteht sich für mich.

    Doch einige von jenen
    manchmal sprach ich sie auch an
    haben mir gute Geschichten gegeben
    waren ähnlich mir
    doch auch unter diesen Menschen
    hat es jene und andere

    doch immer gehen wir
    zerrissen.

    Gruß von
    Brynhild

  2. Gedanquill sagt:

    Mein kopfgestümes Federspiel
    malt noch die Bilder meiner Zeilen.
    Noch warm der Guss aus meinem Kopf
    will nur vorm Hinteraugenblick
    den einen Moment verweilen.

    In dieses Schaffen streuen
    neue
    Federn in den Bildertanz.

    Deine Worte
    sanfte
    scheue
    geben

    meinen Bildern Farbenglanz.

    Dafür Danke
    Gedanquill

  3. blogpoesie sagt:

    Ganz wirr im Kopf
    von diesen Zeilen
    musste lange hier verweilen
    schließ mit gesenktem Haupt die Seite
    für den Bettler war’s ’ne Pleite.
    Ich geh‘ mal Jesus fragen.

  4. Gedanquill sagt:

    …und lass mich wissen, was er Dir gesagt hat.

  5. blogpoesie sagt:

    Die Antwort lautete:
    Warum fragst du mich, ob du geben sollst oder nicht.
    Willst du etwas für deine Geldbörse tun, gebe nichts.
    Willst du etwas aus Liebe tun, dann gib.

    …und dann rief er mir noch im Gehen hinterher:

    Liebe fragt nicht.

  6. Gedanquill sagt:

    Auch ich hatte ihn gefragt…

    …und Jesus sprach zu mir:

    „Du hast dem Bettler kein Geld gegeben und hast Dich zerrissen gefühlt. Und hättest Du ihm Geld gegeben, hättest Du Dich zerrissen gefühlt.
    Ich habe gesagt:
    Was Du meinem geringsten Bruder hast getan, das hast Du mir getan. Wer hat gesagt, dass Du mir Geld geben sollst?

    Siehe:
    Ein Bettler, genau so wie Du ihn beschrieben hast.
    Er hätte jemanden gebraucht,
    der ihn aufrüttelt und sich mit ihm auseinandersetzt – du wolltest ihm Geld geben.

    Er hätte jemanden gebraucht,
    der ihm die Möglichkeiten zeigt und und ihn zurück auf den richtigen Weg führt – du fragtest Dich ob Du ihm Geld geben sollst.

    Er hätte jemanden gebraucht,
    der ihm die Welt verständlich macht und die Kraft zukünftig alleine den Weg zu finden – du bist einfach weggegangen.“

    Grüße,
    Gedanquill

  7. blogpoesie sagt:

    . . . genau so sprach der Herr zu mir. Seine Sätze waren nur kürzer.

  8. Gedanquill sagt:

    Ich hatte es mir schon fast gedacht.

    Angesichts meines Textes hat er in meinem Fall
    wohl eine ausführlichere Antwort für notwendig erachtet.

    Beste Grüße,
    Gedanquill

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