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Archive für 23.11.2006
Bettelträumer
23.11.2006 von Gedanquill.
Ach, endlich, welch ein guter Tag!
Gleich zwanzig Abos an der Tür,
Sonst ich mich mit dem Drücken plag,
doch heut lief’s gut, schlägt erst halb vier.
Jetzt schnell, in die belebte Gasse,
die Zeit will ich zum Betteln nutzen.
Mein Gott, wie ich Hausieren hasse,
und täglich diese Klinken putzen.
Es regnet, meine Füße brennen.
Wie weit bin ich denn bloß gelaufen?
Noch ein paar Euro und dann pennen.
doch vorher drängt’s mich was zu saufen.
Nur einen Kleinen, will nicht enden,
wie da die Penner an den Wänden.
Dort drüben ist es noch schön trocken,
heraus mein Schild und auch die Mütze.
Werd mich auf meine Tasche hocken,
damit ich nicht so kalt hier sitze.
Ach liebe Leut’! Gebt nur genug!
Nur Fraß verfüttert mir mein Quäler.
ich brauch’ ein Ticket für ‘nen Zug
möcht fliehen in des Elsass Täler.
Dort melde ich mich insolvent,
rät Hotte, wegen meiner Schulden.
Ist einer, der die Tricks gut kennt,
zwei Jahre nur muss mich gedulden.
Hierzulande sind es sieben,
das ist eine lange Zeit.
Immer nur herumgetrieben!
Hass’ es, bin das Dämmern leid.
Vielleicht werd’ ich dann Publizist.
In diesem Buch ist’s gut erklärt.
Und wenn das gar nichts für mich ist,
dann läuft’s wie immer: Grundverkehrt.
Der Oberbonze, Nadelstreifen
warum wohl starrt er mich so an?
Kann wohl mein Elend nicht begreifen,
ich schau Ihn lieber gar nicht an.
Wie ich das hasse, ich mich schäme,
Oh, Dank! Ein Euro! Hilft mir weiter…
Wenn ich nur in das Elsass käme,
vergäß ich meinen Seeleneiter…
Da sind die ander’n, ist’s gelaufen?
Ja, geht auf Weihnacht langsam hin.
So lasst uns schnell noch einen saufen.
Mist, nichts mehr in der Flasche drin?
Um drei Viertel, Menschenskinder,
in den Bus pfercht er uns wieder.
Dieser alte Menschenschinder,
schlag’ ihn eines Tages nieder…
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