Archive for Dezember, 2006

Auch Heulen ist Luxus

Samstag, Dezember 30th, 2006

Ich bin ja schon reichlich dort rum gekrochen,
allwissende Müllhalde scheinst Du zu sein.
Gebrochenes hab ich schon öfter gerochen,
schwamm faserig düster auf Tränen und Schleim.

Ganz früher entdeckte man glänzende Tips
erfahrener User und mutiger Köpfe.
Doch heute erwische ich Eiter und Gips
der heulenden Kranken und blubbernder Tröpfe.

Die Lasten von manchen sind grausam und schwer,
doch meistens erwische ich Wohlstand im Schwinden.
Es jammern nur alle, man will sich nicht schinden.

Beklagt wird der Sturz von Heil Deutschland ins Meer,
und heftig bedrückt, dass die Börsen so leer.
Die Globalisierung kann keiner verwinden.

Mazaru: Diogenes unter Gleichen

Freitag, Dezember 29th, 2006

Drei Affen saßen nahe bei
einem Flusse auf der Ley.
Sinnierten, legten eifrig dar,
was wäre, ist und wirklich war.
Der Dritte sprach vom Lebenssinn,
von dem Woher und dem Wohin:

„Das Leben gleicht des Flusses Strömung.
Das Zeitentempo braucht Gewöhnung.
Die Richtung ist klar vorgegeben,
streng abwärts führt das ganze Leben.
Ich wünschte mir, ich wär ein Fisch,
kenn‘ Strömung nicht, nur Wasser frisch!“

„Ich sehe nicht, wie soll das gehen?
Du kannst ja nicht mal darin stehen!
Und Dich im Fluss auch nur zu taufen,
ein guter Plan Dich zu ersaufen.“
So sprach der Zweite voller Drang
und folgte weiter diesem Zwang:

„Das Leben ist ein Licht der Kerzen.
Man brennt vor Liebe und vor Schmerzen.
Und stimmt des Dochtes Länge auch,
verlöscht das Licht im fremden Hauch,
im eigenen Wachs schon vor der Zeit.
Man selbst ist blind vor Helligkeit.“

Der Erste rümpfte seine Nase,
und lautlos lachend hüpft der Bauch.
die Knie verschränkten seine Blase,
die Hände seine Lippen auch.
Die Augen sprühten Götterfunken
es schien, er hatte was getrunken.

Die beiden sahen, hörten das
verstanden nicht des Ersten Spass.
den Zweiten bei der Hand genommen,
so ist der Dritte fort geklommen.

Der Erste aber voller Wonne
stumm räkelt sich auf warmem Stein.
Genießt das Licht der Abendsonne,
den Rausch des Wassers spürt am Bein.
Gleich hinter ihm döst seine Tonne,
in ihrem Schatten schläft der Wein.

Reifer Samen

Sonntag, Dezember 24th, 2006

Bin reif
bin trächtig mit Samen
darf mein Wirken nicht mehr
zurückhalten

das Schicksal
fordert meinen Beitrag und
hebt mir die Hände zum Geben
die Sanduhr
darf nicht länger verschlossen
werden von meinen blutig
bohrenden
Fingern

Aber
ich will nicht

Lieberinnern

Samstag, Dezember 16th, 2006

Spinnen krabbeln durch die Lade,
Bogen schwingend ihre Ellen.
Tatterschmatzend rührt die Lade,
Spinnenbeingelenke schwellen.

Sie finden tastend nicht heran
an Farbentupfer, staubbedeckt,
des schönen, jungen, alten Mann,
der sicher in der Lade steckt.

Flattertakt lässt wackeldackeln
Straußenbeine, Gockelhals,
selbst der Blick muss gegenwackeln
sieht nichts, aber tut so als.

Ob die eingerahmte Liebe
gar nicht mehr dort drinnen ist?
Mörder, Schurken, böse Diebe?
Fern geseh’n vor Stundenfrist.

Seufzerknirschen, Lippen richten
wieder kunstvoll Kieferbauten.
Seele dreht in Rückwärtssichten,
leblos gleich die Augen schauten.

Erschöpftes Setzen in Verfall
schweift Erinnern aus dem Fenster.
So schön war’s früher – überall.
Heut nur draußen – drin Gespenster.

Lesen verboten!

Donnerstag, Dezember 14th, 2006

Welche Neugier treibt Dich her,
kannst zwei Wörtchen nicht gut sehen?
Regeln folgen fällt Dir schwer,
wolltest nicht zur Schule gehen?

Vielleicht bist Du nur dreist getrieben,
gern zarte Grenzen niedertrampelst.
Wärst besser gleich zu Haus geblieben,
nun in der Sätze Netze strampelst.

Erkenntnis wird Dir nie gegeben!
Haah, schau verblüfft, bestürzt, empört!
Saugst meine Bilder Dir zum Leben,
Schenkst Dir den Sinn, der mir gehört!

Die Regeln brichst Du unverfroren,
und mir gleich auch aus meinem Munde,
was hast Du, Armer, hier verloren,
mit Hirnleid zahlst Du diese Stunde!

Beleidigt sehen meine Worte
gefesselt sich in Deinem Blick!
Verzieh Dich doch an andre Orte,
Wie drängt man Dich ins Loch zurück?

Du Beispiel roter Schwellgesichter,
verhöhnt Dich leicht ein Dieb der Zeit.
Bin Wortgelichter, bin kein Dichter!
So lies dies und es tut Dir leid.

Wächter der Nachtburg

Mittwoch, Dezember 13th, 2006

Die Gedanken sind so frei,
mussten mir verloren gehen.
Standen eben mir noch bei,
flohen ohne umzudrehen.

Draußen schluckt die tiefe Nacht
feuchtes Brennen meiner Augen.
Einsam halt ich meine Wacht,
muss dem Tag die Luft aussaugen.

Vater Schlaf mit seiner Decke
kann mein Burgtor nicht durchqueren.
Unbewacht ist keine Ecke
meiner Hallen finstren Leeren.

Hohlpelz meiner Jagd im Kreis,
wacker hältst Trophäenlast.
Krampfe dich, Etappenpreis,
bis der Nacht Gewand verblasst.

Warme Herbststille

Sonntag, Dezember 10th, 2006

Warme Herbststille
in der Sonne Holz leblos
Bild in Öl gemalt

Außenseiter

Freitag, Dezember 8th, 2006

Welch Intellekt strahlt unverdeckt
wenn ich gar trefflich Worte werfe.
Der Einschlag wahre Achtung weckt,
berühmt ist meine Geistesschärfe.

Respektvoll aber ohne Liebe
begegnet man mir vor dem Geist.
Von hinten setzt man Seitenhiebe,
wie Klebschmutz Lügen nach mir schmeißt.

Ich kann dies tragen, Schmutz perlt ab.
Doch deshalb trifft mich umso schärfer
wenn einem ich Vertrauen gab.
…und dieser ist der beste Werfer.

Workaround für technische Probleme aktiv

Mittwoch, Dezember 6th, 2006

Liebe Blogleser,

seit heute konnte durch ein Workaround die Verlinkung der Kommentare und
Seiten weitgehend wieder hergestellt werden.
Falls Ihr die RSS-Feeds auslest, müsstet Ihr diese neu verknüpfen.

Vielen Dank für Eure Geduld und Euer Verständnis
Gedanquill

Federsturm im Regenbogen

Dienstag, Dezember 5th, 2006

Ein Spalt in Deiner Seele Fenster
wirft Herzenslicht auf mein Empfinden.
Vertrocknet meine Stressgespenster,
die eng sich um mein Lachen winden.

Den gläsern‘ Flügel öffnest mehr,
im Lichtstrahl eines Regenbogen
schickst wilde Tauben zu mir her,
als Sturm in mich hineingeflogen.

Im Seelenatem lachend stieben
wie Federnschnee sie, leicht und frisch,
um glückstoll mit mir hoch zu fliegen.

Ström all mein Wärmen ein in Dich
kein Federnschmelzen löscht mein Lieben.
Du Lichtweib, lieb‘ Dich ewiglich.