Reifer Samen

Bin reif
bin trächtig mit Samen
darf mein Wirken nicht mehr
zurückhalten

das Schicksal
fordert meinen Beitrag und
hebt mir die Hände zum Geben
die Sanduhr
darf nicht länger verschlossen
werden von meinen blutig
bohrenden
Fingern

Aber
ich will nicht

5 Responses to “Reifer Samen”

  1. blogpoesie sagt:

    Innere, wie äußere Zwänge lassen sich wohl nur durch ein Handeln in die eine oder andere Richtung auflösen. Wenn es für das „ich will nicht“ gute Gründe gibt, dann ist die Einsicht in das „nicht länger zurückhalten dürfen“ ein Problem.

    LG
    Petros

  2. lieber gedanquill

    für mich ist dieses gedicht schwierig zu verstehen, vielleicht weil ich dich nicht kenne. ich frage mich, warum du die sanduhr mit deinen blutig bohrenden fingern aufzuhalten gedenkst, das schicksal verlangt gutes von dir, doch du willst nicht, dass die samen, deine ideen zu papier gebracht werden? was ist denn das anstrengende daran?

    liege ich total daneben?
    gruss und schönen abschluss für 2006!
    maureen

  3. Gedanquill sagt:

    @Petros:

    …oder man eiert sich so durch beide Möglichkeiten hindurch. Die Gefahr ist sicher, dass man am Ende weder das eine noch das Andere hat.
    Es gibt sicher gute Gründe für ein „Ich will nicht“, zumal dieser Samen auf einmal auftaucht wie aus einer schon längst vergessenen Prophezeiung. Mir war zwar bewusst, dass es ihn gibt. Aber ich hätte nicht geglaubt, dass etwas wirklich besonderes daraus erwachsen könnte. Momentan bin ich mir da nicht mehr so sicher.

    @Maureen:

    Liebe Maureen,
    Deine Frage ist berechtigt und irgendwo auch meine eigene Frage.
    Stell Dir einen Jongleur vor, der recht gut im Dunkeln mit einer Vielzahl von gläsernen, zerbrechlichen Kugeln jonglieren kann.
    Er findet ein Tütchen Samen in der Tasche. Er weiß, es könnte nur etwas aus diesem Samen werden, wenn er fortan Leib und Seele diesem Samen widmet (Licht, Boden, Wärme, Wasser, Krankheiten: sehr empfindlich). Vielleicht wird aber letztlich gar nichts besonderes aus diesem Samen. Der Samen muss bald gepflanzt werden, damit man noch zu Lebzeiten soviele Früchte davon ernten kann, dass es zum Überleben reicht. Vom Jonglieren im Dunkeln kann man verdammt gut leben, solange keine einzige Glaskugel herunterfällt (so was versuchen nur wenige).

    …irgendwann wird natürlich eine herunterfallen…

    …vielleicht sollte ich den Samen derweil in der Tasche lassen und nur ein einziges Samenkorn direkt neben mir einpflanzen, auch wenn eigentlich unter diesen Umständen nichts daraus werden kann…

    …am Ende führt der Samen vielleicht ein Eigenleben, von dem ich noch gar nichts weiß.

    Dir auch einen guten Start in 2007.
    Beste Grüße,
    Gedanquill

  4. .. endlich kann ich antworten.

    … alles hat ein eigenleben, und du hast doch nur die kontrolle über dich selbst, wenn überhaupt. also, lass die samen spriessen, die werden schon das richtige machen!

    … ich habe eine tochter, die nun ca. 1 jahr alt ist. bei der geburt hatte ich angst, dass sie das gut übersteht und gesund auf die welt kommt. ich dachte, jetzt sind die sorgen vorbei, sie hat’s ja schliesslich geschafft. aber dann kan mas dunkle tuch des kindstodes, welches sich um einen legt, und jeden morgen stand ich bange vor dem bettchen, ob sie denn noch atmete… nach einem jahr war dieser spuk vorbei und ich dachte, jetzt sind die grössten sorgen weg, und doch schon weiss ich, es könnte ihr noch so viel auf ihrem weg passieren, autos, böse männer, gemeine mädchen, und und und.

    die sorgen, sie hören nie auf. trotzdem möchte ich es nicht missen.

    hilft dieser gedanke?
    lieben gruss, maureen

  5. Gedanquill sagt:

    Hallo Maureen,

    einen lieben Dank für Deine tröstenden Worte. Recht hast Du, es gibt immer Sorgen (das sind die Bälle, die wir alle jonglieren).

    Was mich manchmal bedrückt ist, dass man sich mit zunehmendem Alter jeden Umweg oder Richtungswechsel zweimal überlegen muss. Man bekommt den Eindruck, dass man nicht einfach wieder zurück kann oder von vorne anfangen kann…

    …vielleicht ist das Quatsch. Die Gedanken sind frei. Wenn man Werte für sich neu definieren kann, gibt es wahrscheinlich immer (wieder)
    einen neuen, guten Weg. Also, geh’n wir’s an.

    Gedanquill

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