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Archive für Januar 2007
Der Phönix stirbt freitags
28.1.2007 von Gedanquill.
Vom Wochenflug ins Bett gesunken
so bruchstürzt Phönix heimwärts meist
Der Landung Reibung schlägt den Funken,
er brennt sich aus mit Kräutergeist.
Die Frau versorgt den Brand mit Scheiten.
Wenn’s Herz nicht wärmt, glüht doch das Fühlen.
Anstatt zu dumpfen lieber streiten,
soll Leidenschaft nicht ganz erkühlen.
So brennt am Samstag stets die Hütte,
wenn Phönix noch in Asche stirbt.
Bleibt ungehört der Kinder Bitte,
vergebens sie zum Spiele wirbt.
Die ganze Woche Federnpracht
in mächtig kreisend Flügelschlagen,
im stolzen Flug zur Schau gebracht,
wie’s andere Vögel selten wagen.
vergeh’n zu Grau des Freitags Nacht.
Dann, Sonntagabend, aus dem Staube,
von Frau und Kind nicht mehr erwartet,
erwächst die neue Federhaube.
Ihr Phönix in die Woche startet.
Geschrieben in Sein Ich sein, schmerzdruckwatte, federnschwindel, pfeilblickfern | 6 Kommentare »
Fünf Dinge
27.1.2007 von Gedanquill.
Ein Stöckchen für Stefanie
Der Dinge fünf, nur mir bekannt,
gewünscht von mir nicht, doch beschert.
Das Tor in mein verborg’nes Land
verschlossen. Schlüsselloch gewährt.
Nur ein einzig Band für ewig
schwor in Liebe ich vor Jahren.
Erstes Bändlein war zu wenig
rein und wert in Schmerzgefahren.
Der Töchter zwei sind mir geschenkt,
ein Weiteres strampelt in den März.
Beruflich bin ich selbst gelenkt,
und lebe ganz mit Kopf und Herz.
Vier Räder, meine Leidenschaft,
von Kindesbeinen an gespürt,
für Formen und geballte Kraft,
sind jetzt in Sinn und Zweck geschnürt.
In jedem fünften Frühlingswerben
Venedig bettet unser Herz
wo einst versprochen bis zum Sterben
erwacht Erinnern, Glück und Schmerz.
Versiegt Euch dieses Rinnsal wieder,
ihr habt gekostet von den Tropfen.
Der Dinge fünf schrieb ich hier nieder
das sechste birgt ein neuer Stopfen.
Geschrieben in Sein Ich sein, pfeilblickfern | 3 Kommentare »
Straight Through Processing (STP)
22.1.2007 von Gedanquill.
Viele Worte, Nichts zu sagen,
Gedachtes durch die Feder jagen.
Schon getrocknet, wenn bedacht,
zum Witz gemacht, doch nicht gelacht.
Geschrieben in Außer sich sein, fernblick | 4 Kommentare »
Träne des Himmelsstürmers
18.1.2007 von Gedanquill.
Viele tausend Meter tief
fällt ein einzig Tränentropfen.
Stummer Schrei um Hilfe rief,
Lebensloch ist nicht zu stopfen.
Pfeile lechzen nach dem Herzen,
Sonne dörrt den Willensflug.
Anmut deckt die Weglustschmerzen,
Es ist zu sehr nicht genug.
Kräftig weiches Flügelschlagen,
Flucht nach vorne, hoch hinaus.
Wille kann die Seele tragen,
nur der Körper stirbt sich aus.
Sieh ersehnend diesen Berg,
Ziel im Zehren von der Zeit,
einzig lebend Landelicht.
Höchste Ruh vollbringt das Werk,
lindert Sturz und Immerleid.
Geschrieben in Unfertig, Sein Ich sein, pfeilblickfern, kinngewicht | 3 Kommentare »
Dämonendrang
7.1.2007 von Gedanquill.
Laut schlägt das düstere Klingen der wuchtigen Glocken,
knarrende Dielen gebeugt von verfinstertem Tritt,
näher und näher schlurft schabender, schleppender Schritt.
stocksteif erstarren auf zitternder Haut ihre Locken.
Ich hab’ sie gewittert, gefunden, und nehme sie mit!
In ausufernd wuchernder Furcht es der Wimmernden graut,
Du armselig Häuflein wirst meine im Blute erblühende Braut.
Hah, rieche vergehende Angst vor dem höllischen Ritt!
Bin panisch verkrochen in mondenerleuchteter Nacht!
Beinahe gefunden, hockst jämmerlich hinter dem Stein.
Von reiner Gesinnung errufe ich heilige Macht!
Dämonen erglühender Blick will verbrennen mein Sein!
Teuflisches Wirken hat Dich mir zum Opfer gebracht.
Verletzend Berührung, im Zeichen erstirbt Dein Gebein!
Geschrieben in lochzitter | 2 Kommentare »
Meiner Elfentochter
6.1.2007 von Gedanquill.
Blaue Augen, welch Zauber in Dir,
klar und fragend so schaust Du mich an.
Suchst und findest den Schützer in mir,
bindest zärtlich den Vater und Mann.
Heilige Schwüre würd’ ich auf Dich leisten.
Unverdorbenes Wissen und Wollen,
künftig das Rückgrat für Müssen und Sollen.
Edelsteine in Seide gefasst,
Sonnenfunkelnd Dein zartes Gesicht
Haut und Ohren von Elfen Du hast,
unantastbare Aura von Licht.
Werd’ Dich bewahren vor Diebischen, Dreisten.
Sanft beherrscht ist Dein zärtliches Werben,
Fäden der Liebe spinnst ohne Verderben.
Schon als Baby von himmlischen Duft
war Dein samtiges, glänzendes Haar.
Fast zerbrechlich sensibler Verstand
führt Dich stetig durch Leben und Jahr.
Glück und Erkenntnis erfahre im meisten.
Taktgefühl hast schon immer besessen,
liebenden Vater darfst Du nicht vergessen.
Geschrieben in Sein Ich sein, hüpfballherz, pfeilblickfern | 4 Kommentare »
execution
4.1.2007 von Gedanquill.
hände hat man mir gebunden.
schweiß stinkt beißend mir ins hirn
aus der Augen zwängend zwirn
seelenahnen riecht die stunden.
haltung zwingt das kreuz der hände
selbst in bande eingeschlungen
schleichend scharf ins fleisch gedrungen
fingerkuppen streicheln wände
rotz und regen kühlt die wangen
so wie schrei und spott das ohr
steh’ mir selbst betrachtend vor
seh mich atmen hör mich bangen
schmerz im arm stößt mich ins ich
platze auf in hass und fieber
schneller tod ist wär mir lieber
augen frei und messerstich!
Halte ein, lebloses Tier!
Ich! Bin Leben! Kann mich ändern!
Schrei ich denn zu Kleiderständern?
Ohh, erkenn’ den Mensch in mir!
hähme grinst durch tränenfluss
zentnerschweres kinngewicht
fairer abschied ist das nicht
schwarz allein leer gähnen schuss…
Geschrieben in Außer sich sein, Ende, schmerzdruckwatte | 5 Kommentare »
Todestango der trüben Tassen
3.1.2007 von Gedanquill.
Trübe Tassen tanzen träge
auf des Rolltors Rampenschräge.
Fernbedienungs Feinjustiz
elektronisch zockelzittert
stumpfen Winkel sanft zu spitz.
Tassenpulk gemächlich schlittert
dank erhöhtem Toreswinkel
auf vergoss’nem Kaffeepinkel
bis zum Rand und stoppt dort leicht.
Tortanzende ist erreicht.
Letzter Zuck am Zappertaster
Lemmingsporzellan zersplittert
auf dem Kopfsandbuntsteinpflaster,
Kaffeeboden aufgeweicht.
Dumm nur, dass des Tores Rolle
dieser Handlung nicht entspricht
immer senkrecht rollt das Tolle,
schon elektrisch, schräg doch nicht.
Geschrieben in federnschwindel | 5 Kommentare »
Tortenfraß
2.1.2007 von Gedanquill.
Tortenfraß, ein Phänomen,
nah verwand dem Sockenschwund.
Eben noch das Stück geseh’n,
stirbt es fort in fremdem Mund.
Welches Maul dies Stück verdrückte,
kann ich leider nicht berichten,
weil es mir noch niemals glückte,
den Verdacht auch zu verdichten.
Seifensichtung, Handtuchschnüffeln,
Klebespuren, Krümelreste,
konnt’ am Ende keinen rüffeln,
jeder strahlt in weißer Weste.
Trösten kann der Spuk von Socken:
Stets von Zwei’n nur einer schwindet.
Türmt aus Trommeln nass und trocken,
niemals man ihn wiederfindet.
War’s am Ende doch der Strumpf,
der so dreist mir Torte raubt.
Stopft er Stücke in den Rumpf
und flieht?
Hab’s Dir, Tochter, fast geglaubt.
Geschrieben in deltarium | 4 Kommentare »
