Straight Through Processing (STP)

Viele Worte, Nichts zu sagen,
Gedachtes durch die Feder jagen.
Schon getrocknet, wenn bedacht,
zum Witz gemacht, doch nicht gelacht.

4 Responses to “Straight Through Processing (STP)”

  1. blogpoesie sagt:

    Ein Vierzeiler . . .

    das fühlt sich an, als wäre hier eine Menge verschluckt worden.

    LG
    Petros

  2. Gedanquill sagt:

    Naja, nicht verschluckt,
    aber vielleicht unausgesprochen.

    Beste Grüße,
    Gedanquill

  3. AB sagt:

    Hallo zusammen.

    Ich frage mich, weshalb das „Nichts“ groß geschrieben wurde. Die einzige Möglichkeit – die mir jetzt in den Sinn kommt – wäre jene, dass es nicht das „Nichts“ ist; dass also hinter diesem „das Nichts“ doch eine Welt verborgen ist, die der Leser hier nicht aufgetischt bekommen soll. Das Lyrische Ich, das hier passiv agiert, schreibt die Geschichte auf. Es ist eine ernste, emotionale Geschichte. Das kann man daran erkennen, dass das Lyrische Ich hier erstens aus dem Blickwinkel einer „man-Person“ betrachtet (und so Abstand zum Geschehen erhält); und dass es zweitens beim Durchdenken die Geschichte zu einem Witz deklarieren/herunter schrauben möchte – es aber nicht gelingt. Ironisch zu werden, dazu ist es noch zu nah dran, als dass es möglich wäre.

    Ein Vierzeiler, der etwas mehr aussagt, als eigentlich geschrieben steht. Für mich dennoch zu ungenau, um weiter anzuregen – was bei der aufgezeigten (vermuteten) Intention des Lyrischen Ichs auch kein Wunder ist.

    Beste Grüße,
    Arno.

  4. Gedanquill sagt:

    Hallo Arno,

    herzlichen Dank für Deinen sorgfältigen Kommentar. Die aus Deinen Beobachtungen abgeleiteten Annahmen empfinde ich als zutreffend. Dass die mir beim Schreiben vorschwebende Intention nicht erkennbar wird, liegt wohl in der Tat daran, dass es mir in 4 Zeilen nicht gelingt, ausreichend präzise zu werden. Will heissen, es sind Schlussfolgerungen und Annahmen nötig, die der Text tatsächlich nicht hergibt.

    Ein paar meiner Gedanken zur Intention:
    Das lyr. Ich sucht Abstand zu sich, um sein Tun zu reflektieren und aus der Perspektive des Gegenübers zu betrachten. Die ursprüngliche Intention des lyr. Ich war, etwas besonderes auszudrücken und viel Mühe darauf zu ver(sch)wenden. Das was beim Gegenüber ankommt, ist jedoch ein „Nichts“ im Sinne der Bedeutungsschwere und Aussagekraft.
    Der Versuch, durch direktes Ausdrücken der Gedanken und Gefühle „authentisch“ und damit glaubhaft und besonders im Ausdruck zu werden, verkommt zu einem als oberflächlich und unzureichend empfundenen Versuch (durch die Feder jagen). Die Reflektion (Gedachtes bedacht) kommt zu spät, geschriebenes Wort ist gesagtes Wort. Man spricht von einem „traurigen Witz“, wenn manche Dinge trotz großer Mühe nicht über das verzweifelt bemüht lächerlich Banale hinauskommen. Niemand lacht, aber man wendet sich – vielleicht sogar betroffen und von Mitleid erfüllt – ab.

    Beste Grüße,
    Gedanquill

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