Archive for Februar, 2007

Der Frühling trinkt aus meiner Hand

Mittwoch, Februar 21st, 2007

Ein unsichtbares Heer aus Lüften
belagert mich und macht mich krank,
schlägt mich mit Schleim und schlechten Düften.
Mein Kopf liegt auf der Fensterbank

und treibt hinaus in Frühlingshauch.
Der Zäune Latten Winterschatten
säumt ihn mit dicken Kältematten
und zwingt hernieder auf den Bauch

den frisch geschlüpften, herrlich bunten
federleichten Farbentupfen.
Mühsam schiebt er sich hinfort,
aus der Kälte letzten Hort.
Der Weg zu weit, der Kopf weit unten,
kein Wind hilft lupfend ihm zu hupfen.

Mein Blick wird Schmerz, treibt mich zurück
in glasgefassten Körperkampf.
Durchzuckt mich plötzlich dieses Glück,
gekränkt verblasst der Schädelkrampf.

Die Türen auf und aufgesprungen,
der Schritt beschwingt von Leichtigkeit,
ein Frühlingsklang aus mir gesungen,
nun trachte ich dem Winterleid.

Ganz sacht bewahrt ins Sonnenlachen,
so trage ich den zarten Schwachen.

Knarzt schabend laut sein Flügelschwingen,
will in der Sonne er vergehen?
Nur langsam, steif will ihm gelingen
auf eig’nen Füßen schon zu stehen.

Vom Wind gefällt und fortgeweht,
sogleich reich ich ihm meine Hand.
Oh Gott, er krabbelt rauf und steht!
Vielleicht hat er die Hand erkannt?

Ich will ihn retten, will sein Leben!
Betrachte seine blauen Augen:
Darf Honigtropfen ich Dir geben?
Sein Rüssel taucht, das Gold zu saugen.

Mein Blick streift zärtlich über ihn
Minuten, Wärme, Zeitvergessen.
Er fliegt! Und wirbelt leicht dahin,
hat Lenz aus meiner Hand gegessen.

Seelentroß

Freitag, Februar 16th, 2007

Gleich stirbt der Tag
mit Glockenschlag.
Ich bin noch wach
und denke nach.

Mein Herz ist Hand
nach vorn gewandt
und bremst die Zeit,
die mich befreit.

Allein mit mir
wach ich bei Dir
und denk an Licht.
Ich brauch Dich nicht.

Zu sehr verweist
ist noch mein Geist.
Die Seele reist
zu langsam meist.

Es wird mir still
weil ich es will.
Bin Ihr mir wert.
Zurück, gekehrt.