Der Frühling trinkt aus meiner Hand

Ein unsichtbares Heer aus Lüften
belagert mich und macht mich krank,
schlägt mich mit Schleim und schlechten Düften.
Mein Kopf liegt auf der Fensterbank

und treibt hinaus in Frühlingshauch.
Der Zäune Latten Winterschatten
säumt ihn mit dicken Kältematten
und zwingt hernieder auf den Bauch

den frisch geschlüpften, herrlich bunten
federleichten Farbentupfen.
Mühsam schiebt er sich hinfort,
aus der Kälte letzten Hort.
Der Weg zu weit, der Kopf weit unten,
kein Wind hilft lupfend ihm zu hupfen.

Mein Blick wird Schmerz, treibt mich zurück
in glasgefassten Körperkampf.
Durchzuckt mich plötzlich dieses Glück,
gekränkt verblasst der Schädelkrampf.

Die Türen auf und aufgesprungen,
der Schritt beschwingt von Leichtigkeit,
ein Frühlingsklang aus mir gesungen,
nun trachte ich dem Winterleid.

Ganz sacht bewahrt ins Sonnenlachen,
so trage ich den zarten Schwachen.

Knarzt schabend laut sein Flügelschwingen,
will in der Sonne er vergehen?
Nur langsam, steif will ihm gelingen
auf eig’nen Füßen schon zu stehen.

Vom Wind gefällt und fortgeweht,
sogleich reich ich ihm meine Hand.
Oh Gott, er krabbelt rauf und steht!
Vielleicht hat er die Hand erkannt?

Ich will ihn retten, will sein Leben!
Betrachte seine blauen Augen:
Darf Honigtropfen ich Dir geben?
Sein Rüssel taucht, das Gold zu saugen.

Mein Blick streift zärtlich über ihn
Minuten, Wärme, Zeitvergessen.
Er fliegt! Und wirbelt leicht dahin,
hat Lenz aus meiner Hand gegessen.

4 Responses to “Der Frühling trinkt aus meiner Hand”

  1. blogpoesie sagt:

    Da ich zu Fehlinterpretationen neige schreibe ich hier nur: mehrfach gelesen, verschiedenes entdeckt (z.B. Grippe, z.B. Käfer).
    Doch liegt es wahrscheinlich an meiner Erkältung und an diesem Herumschwirren in meinem Kopf.

    LG
    Petros

  2. Gedanquill sagt:

    Hallo Petros,

    anstelle eines Käfers war es ein Schmetterling. Ansonsten passt es.
    Das schönste: Es ist wirklich passiert.

    Beste Grüße,
    Gedanquill

  3. mir gefällt das „frisch geschlüpft“. diese worte finde ich besonders treffend im frühling, wo alles wieder neu zu entdecken ist. ich hatte diese worte einmal benutzt (jedoch so ist mir, nicht auf meinem blog), ich sprach vom „frisch geschlüpften blätterwald“. bei uns ist es schon bald soweit,

    herzlichen gruss, maureen

  4. Gedanquill sagt:

    Hallo Maureen,

    im Zusammenhang mit einem Blätterwald ist es eine originelle Formulierung. Ich habe es hier nur für einen Schmetterling verwendet, da ist es ja fast eine Allerweltsformulierung.

    Beste Grüße,
    Gedanquill

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