Treiben im Regen

Wie gierende Blüten erbeben die Hände,
im Takte sich räkelnd hinauf in die Lüfte.
Es wiegt sich mein Körper im kreisenden Tanz.
Die Haare mir streicheln so sanft und behende
als glänzglatte Seide auf schwingender Hüfte,
dass Knospen erblühen im hauchnassem Kranz.

Als lindwarmes Prickeln umschließt mich die Nässe,
beklatscht mich im Wirbeln mit leisem Applaus.
Die Achseln verströmen in hauchender Kühle
die Ahnung von Flammen auf glühender Blässe.
Es treibt mich ein Sehnen nach Rhythmus hinaus
in dampfende Güsse und tropische Schwüle.

Die Süßwasserperlen umschließen das Salz
und spülen erregt über Wange und Hals,
versinken im duftenden, schwellenden Schoß.
Mit gleitenden Händen, so stell ich ihn bloß.
Verrutschende Wäsche bedeckt mich nur knapp,
die Jeanshose klebt und ich streife sie ab.

Sie umschmeichelt die Füße, sucht saugend nach Halt,
nur ein nasswarmes Brodeln besprenkelt mich heiß.
Und mein Stampfen entfesselt die sanfte Gewalt,
taucht die glänzende Haut in Verlangen und Schweiß.
Ich erwecke den warmen, benetzten Asphalt,
und die in mir verborgene Wollustgestalt

bäumt den Körper mir auf, wie zum Bogen gespannt,
beide Arme, Gesicht in den Regen gereckt.
Und wie Nebel durchdrängt mich ein Ziehen der Lust,
wird ein Strömen von schmelzendem, glühendem Brand,
der ein berstendes Stöhnen und Fühlen erweckt,
schieb mir langsam die Bluse von wölbender Brust.

Fremde Hände erspüren die Taille an mir,
rücklings pressend Dein Knie in die Hitze entgleitet
und gekonnt meinen Schritt hin zum Torbogen weitet.
Die Berührung genossen, zur Statue gegossen,
mein Beherrschen zerborsten, das Denken geschlossen,
explodiert mein Empfinden, bin tobende Gier.

Völlig lebengeflutet, verwandelt und frei,
so entfährt mir ein wildes Walkürengeschrei.
Hab Dein Drängen gepackt, mir zum Spaß, dir zur Qual,
deinen schutzlosen, zuckenden Lustmarterpfahl.
Steht nun auf, steht mir bei, steht mir zu, steht mir vor:
und ich öffne das schlingende, lüsterne Tor…

(c) 2007 by Gedanquill

11 Responses to “Treiben im Regen”

  1. blogpoesie sagt:

    Liest sich ausgezeichnet. Ein schöner Spannungsbogen, den du da zeichnest.

    LG
    Petros

  2. Gedanquill sagt:

    Hallo Petros,

    Lesefluss ist wichtig, danke.
    Ich höre auch heraus, dass es nicht zu lang geworden ist.

    Lieben Dank für Dein Vorbeischauen,

    Gedanquill

  3. lieber gedanquill,

    wie schön, im warmen sommerschauer zwei körper sich vereinen…
    diese art der poesie erwärmt sicher nicht nur mein herz und öffnet nicht nur meiner begierde das tor der lust, im sommerregen zu tanzen…

    sehr gelungen,
    herzlichen gruss, maureen

  4. Gedanquill sagt:

    Hallo Maureen,

    das Dings war ein (wahrscheinlich auch selten blebender) Ausflug in den Themenbereich Erotik.
    Über die positive Resonanz freue ich mich natürlich.

    Beste Grüße,
    Gedanquill

  5. brynhild sagt:

    Ein Gemälde voll farbiger Wollust mit fröhlicher Begierde – tief geschöpft aus der sinnlichen Palette.
    Da gehen einem die Sinne auf und und es bleibt wahrhaft im Fluß….*lächelt*

    Mit Gruß
    Brynhild

  6. lieber gedankquill,

    es braucht auch mut, einen ausflug in themenbereich erotik! ich mach‘ das jeweils nicht ohne leichtes herzklopfen, will man ja nicht brüskieren und trotzdem authentisch bleiben. und man verrät viel! also mich würde es freuen, mehr von dir in dieser art zu lesen!

    herzlichst, maureen

  7. Gedanquill sagt:

    Hallo Brynhild,

    lieben Dank für Deinen Besuch hier und dieses ausdrucksvolle Bild zur Beschreibung meiner Reime. Es gibt da ein geniales Erotik-Gedicht, dass sich eines Gemäldes bedient:
    http://www.gedichte.com/showthread.php?t=89159

    Hallo Maureen,
    ja, Mut gehört auch dazu. Aber es ist ja auch ein lyrisches Ich, in das ich hineinschlüpfe. Da ist dann immer wieder Platz für Distanz. Diese soll der Leser natürlich beim Lesen zunächst nicht sofort spüren können (sonst wäre es nicht authentisch), aber es verrät dann vielleicht nicht soviel über den Schreiber.

    Herzliche Grüße Euch beiden,
    Gedanquill

  8. hallo gedankquill
    komisch, da sprechen immer alle vom grossen lyrischen ich. ich spüre das nicht und kann auch nicht hineinschlüpfen. da ist keine distanz. während dem texten, ist alles irgendwie echt und möglich (erdacht oder erlebt).
    aus meiner sicht sagt ein geschriebenes gedicht viel mehr aus über dem schreiber als vielleicht auf den erstten blick ersichtlich ist. oder kann man sich so sehr verstellen und alle leser an der nase herum führen? 🙂

    herzlichen gruss, maureen

  9. Gedanquill sagt:

    Hallo Maureen,

    es steckt immer auch ein Stück Persönlichkeit des Autors mit in einem Text. Nichtsdestotrotz bliebt Raum für Distanz. Zum Beispiel deshalb, weil das lyr. Ich in meinem Dings eine Frau ist. Ich kann mir vorstellen, ob/wie eine Frau empfindet, manches ist vielleicht auch ähnlich, aber es bleibt eine Rolle, in die der Autor schlüpft.

    Eine weitere Distanz kann durch Vieldeutigkeit entstehen, Ich persönlich bin fasziniert von Texten, die etwas bestimmtes, aber auch das Gegenteil davon ausdrücken.

    Meistens beschreibe ich ein bildhaftes Gefühl (oder ein gefühltes Bild, eine Sequenz), wenn ich versuche, einen Augenblick in Worten dauerhaft einzufangen.

    Beste Grüße,
    Gedanquill

  10. blogpoesie sagt:

    Ich lasse einfach mal wieder einen Gruß da.

    Petros

  11. Gedanquill sagt:

    Heute habe ich mir das „Treiben im Regen“ noch einmal vorgenommen und leicht überarbeitet. Ich glaube, es ist nicht schlechter geworden.

    Beste Grüße,
    Gedanquill

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