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Archive für Dezember 2007
Deutsche Höflichkeit
8.12.2007 von Gedanquill.
Die Höflichkeit ist eine Kunst,
aus Nichts ein Lächeln auszusäen.
Dem Deutschen fehlt gleich jeder Dunst,
den Mechanismus zu verstehen.
Ein “Guten Tag!” erschrickt so sehr,
man will sich gleich beleidigt fühlen.
Entschuldigen fällt doppelt schwer,
ein Held will nicht in Schwächen wühlen.
Ein Bier im Rheinland ist kein Spass.
man sieht sich nicht beim Prosten an.
Ein jeder starrt nur in sein Glas
dass er nur endlich trinken kann.
Unmöglich scheint ein warmer Gruß:
die Augen streben stets zur Seite.
Dass man nichts sieht, nicht grüßen muss:
Man blickt ins Grüne, in die Weite.
Natürlich kann der Mensch auch feiner
sogar dem Deutschen kann’s gelingen
In guten Zeiten schafft es einer,
Verdruß und Unmut zu bezwingen.
Das tut man gleich den Freunden kund,
man feiert trinkend sein Gelingen,
und hält vor allem nicht den Mund.
Zu gern hört man sich selber singen.
Am nächsten Tag im Kopf die Schmerzen.
Und jeder Vorsatz, nett zu sein,
ist längst vergessen, auch im Herzen.
Zu gerne teilt man Pech und Pein.
Warum beschließt man ohne Grund,
so oft und gerne schlecht zu denken,
bestraft die Mitwelt mit dem Mund:
Kann sich das Deutsche das nicht schenken?
Geschrieben in Nasqualmbluten, lochzitter, Außer sich sein, fernblick | 7 Kommentare »
Nacktsmaragd
6.12.2007 von Gedanquill.
Wie aufgeplustert er stolziert,
erhaben reckt er sich empor.
Dosierter Ruck, und er posiert,
erstarrt geziert und stellt sich vor.
Er spielt Smaragd und will Applaus,
sein Federharem dient als Chor,
als Bühnenbild und Blumenstrauß,
Er dreht am Rad, spreizt es hervor.
In Würde schreitet er herum.
Was wendet sich der eitle Tor,
auch rücklings hin zum Publikum.
Wie krass sticht nun sein Arsch hervor.
Geschrieben in Nasqualmbluten, fernblick | Keine Kommentare »
Jäger des verlorenen Satzes
5.12.2007 von Gedanquill.
Ich stöbere im Wortgefledder,
und breche Zeilen an den Lauten,
die Zungen aus dem Schädel hauten,
wie kurzgeschlossene Zettelshredder.
Wo stecken all die Perlen nur,
in Ewigkeiten ausgebrütet?
Verborgene Diamantenspur,
hat zuviel Feinschliff hier gewütet?
Geheimnisse im dünnen Darme
der Verse, Bilder, Reimgebilde.
Auch Lesus Kryptus hebt die Arme,
birgt Leere, Geiles, Tote, Wilde.
Doch hinter Hof und Altpapier,
in Ekelhaft und Grab gekettet,
dort glimmen lichterfunkel vier
der Strophen sanft in Samt gebettet.
Und himmlisch rein, als Seelentor,
erstrahlt die fünfte dann empor.
Mit Tränenzittern, Augenbeben,
erlangt mein Suchen neues Leben,
Wahres Streben!
Schatz zu heben,
mir gegeben!
So wühle ich im Wortgeflodder,
und breche Laute an den Zeilen,
die Hirnen aus dem Schädel eilen,
wie grünverdünnter Nasenschnodder…
Geschrieben in antithesis, Anfang, Ende | Keine Kommentare »
Schnupftuchfetzen und Demento
4.12.2007 von Gedanquill.
Winke, winke, meint sie mich?
Huch, ich lächle, sie jetzt auch,
wie ich wachse aus dem Bauch.
kenne ich Sie wissentlich?
Oh, jetzt kommt sie zu mir hin!
Mach ich, lass ich, fass ich das?
Warum hat sie soviel Spass?
Oh, ich kratze mich am Kinn,
schau’ verlegen auf die Uhr,
und dann wühl’ ich in der Jacke,
Schnupftuchfetzen, welche Schande,
bin ich völlig aus der Spur?
Fummelfetzen an den Fingern,
und mein hektisch Taschenspiel
beult herum, doch hilft nicht viel.
Hilft mir Lutschen an den Dingern?
Prima, Hände find nun fauber,
doch waf pappelt an der Lippe
fo alf Tütenmonfterkippe?
Weifer Ftreif auf grünem Schnauber!
Mit dem Rücken meiner Hand
wische ich durch mein Gesicht
alles weg - ich find es nicht!
Fähnchen weiss, an Schädelwand,
flattert aus der Restfrisur.
Uhh, verlegen weggeduckt,
Glocken schnell zurechtgejuckt,
kämmen Finger Korrektur.
Doch woher kommt der Geruch?
So intim und so persönlich?
Täglich wasch ich mich gewöhnlich!
Großer Glockenfingerfluch!
Kann so nicht zur Arbeit gehen,
hab’ kein Deo aufgelegt.
Was hat mich so aufgeregt?
Weit und breit ist nichts zu sehen.
Warum ist die Frau so heiter?
Aber Paps, was machst Du hier?
Sollst doch gar nicht vor die Tür!
?!? - Besser ist, ich gehe weiter…
Geschrieben in Bebflirren, Außer sich sein, Ende | Keine Kommentare »
Persimon
1.12.2007 von Gedanquill.
Die Kraft des Lichts bricht
kahle Zweige vor dem Gesicht
durch die Wolkenschicht
nicht so leicht wie ein Adler
entflieht Persimon dem Ast
Geschrieben in Haiku, Ende | 2 Kommentare »
Abendmahl
1.12.2007 von Gedanquill.
Der Wille ward frei durch den Schmerz
des Menschensohns opferndes Fügen.
Zum Heil weist den Geist nur das Herz,
Verstand ist die Schale für Lügen
Und Qual.
Ich sehe die Hoffnung der Liebe
zum Darwin’schen Wandel der Glut,
zum Dulden der Hiebe und Triebe
der mordenden, sterbenden Brut
Großer Zahl.
Der Rotwein ist Blut meiner Sünden,
der Laib Frucht für meine Begier.
So schluck ich das mahnende Künden,
von Liebe als göttlicher Zier
Deiner Wahl.
So schmecke ich täglich die Traube
als Sünde mir gänzlich gewahr.
und speise im ehrlichen Glaube,
dass dieses Dein Ansinnen war
Aus dem Gral.
Geschrieben in Anfang, Sein Ich sein, Ende, pfeilblickfern | Keine Kommentare »
Nackenknacken
1.12.2007 von Gedanquill.
Recht!
Gerecht,
Gericht,
Gerücht,
Geruch,
Bruch.
Ruch;
Fluch.
Gott…
Als
der Hals
trotz Gewicht
nicht sofort bricht,
ihn der Henker packt,
so dass der Nacken knackt.
Zuckend stirbt der Hände Kampf
das letzte Würgen stockt im Krampf.
Alles Fleisch wird plötzlich schwer
Seele baumelt, hin und her.
Kälte presst Gewicht
in ein Gesicht
voller Pein
zum Stein.
Gebein.
Geschrieben in Unfertig, Ende | Keine Kommentare »
