Deutsche Höflichkeit

Die Höflichkeit ist eine Kunst,
aus Nichts ein Lächeln auszusäen.
Dem Deutschen fehlt gleich jeder Dunst,
den Mechanismus zu verstehen.

Ein „Guten Tag!“ erschrickt so sehr,
man will sich gleich beleidigt fühlen.
Entschuldigen fällt doppelt schwer,
ein Held will nicht in Schwächen wühlen.

Ein Bier im Rheinland ist kein Spass.
man sieht sich nicht beim Prosten an.
Ein jeder starrt nur in sein Glas
dass er nur endlich trinken kann.

Unmöglich scheint ein warmer Gruß:
die Augen streben stets zur Seite.
Dass man nichts sieht, nicht grüßen muss:
Man blickt ins Grüne, in die Weite.

Natürlich kann der Mensch auch feiner
sogar dem Deutschen kann’s gelingen
In guten Zeiten schafft es einer,
Verdruß und Unmut zu bezwingen.

Das tut man gleich den Freunden kund,
man feiert trinkend sein Gelingen,
und hält vor allem nicht den Mund.
Zu gern hört man sich selber singen.

Am nächsten Tag im Kopf die Schmerzen.
Und jeder Vorsatz, nett zu sein,
ist längst vergessen, auch im Herzen.
Zu gerne teilt man Pech und Pein.

Warum beschließt man ohne Grund,
so oft und gerne schlecht zu denken,
bestraft die Mitwelt mit dem Mund:
Kann sich das Deutsche das nicht schenken?

7 Responses to “Deutsche Höflichkeit”

  1. blogpoesie sagt:

    …eine feine und treffende Analyse. Und die Frage am Schluss kann wohl nur rhetorischer Natur sein.

    LG
    Petros

  2. Gedanquill sagt:

    Unter http://www.gedichte.com/showthread.php?t=113174 habe ich diese Zeilen auch eingestellt und zwei sehr interessante Hinweise erhalten:
    Zum einen liegt dieser Missstand wohl am Wetter in Deutschland, zum anderen an der Unfähigkeit der Deutschen zur Empathie. Da ist aus meiner Sicht was wahres dran. Warum wollen wir uns nicht in andere hineinversetzen?
    Einen genetischen Defekt haben wir da sicher nicht.

    Beste Grüße,
    Gedanquill

  3. blogpoesie sagt:

    Hinterlasse ich also einfach einmal hier meine Weihnachtsgrüße, ganz im Sinne deutscher Höflichkeit.

    LG
    Petros

  4. blogpoesie sagt:

    …auch die Grüße für das neue Jahr lasse ich mir nicht nehmen.
    LG
    Petros

  5. Gedanquill sagt:

    Lieber Petros,

    Danke für die Weihnachtsgrüße, ganz im Sinne deutscher Hektik viel zu spät und damit ganz im Sinne deutscher Höflichkeit (der Wegweiser geht auch nicht in die Richtung, in die er zeigt ;)).

    Lieben Dank auch für Deine Neujahrsgrüße.
    Wünsche Dir ein Jahr mit einer qualitativ und auch quantitativ beflügelnden Produktion Deines Buches „Blaublaue Küsse“!

    Beste Grüße,
    Gedanquill

  6. Ein Interessanter Punkt ist die deutsche Höflichkeit allemal, ich habe kürzlich selbst etwas darüber geschrieben. Ich persönlich komme aus dem hohen Norden, wo die Menschen noch ein wenig frostiger sind, daher bin ich es nicht anders gewohnt. Wenn man sich dann südwärts bewegt, ist es schon recht verwunderlich und teilweise auch misstrauenserweckend wenn die Menschen freundlich und offen auf einen zugehen. Aber das Ganze hat auch etwas gutes: Eine Internetbekannte aus der Schweiz macht seit einigen Jahren regelmäßig im Herbst Urlaub an der Ostsee, sie begündet das damit, dass die Leute sie dort in Ruhe lassen und sie Kräfte tanken kann, ohne sich in uninteressante Gespräche verwickeln lassen zu müssen.
    Vielleicht denken wir ja freundlicher als wir handeln.

    LG Christian

  7. Gedanquill sagt:

    Hallo Christian,

    das wäre ja ein Indiz dafür, dass das Wetter bzw. das Klima tatsächlich eine Rolle spielt. Vielleicht ist es auch keine Unfreundlichkeit, sondern so eine Art deprimierte Unzufriedenheit, die nicht mehr viel Raum lässt für Freundlichkeit. Freundlich sein bedeutet ja auch, anderen etwas zu geben. Aber wer gibt schon gerne, wenn er selbst glaubt, zu kurz zu kommen?
    Wir haben mal im Sauerland ein Appartment gemietet, das war übersäht von Zetteln mit Verboten, Vorschriften und Hinweisen. „Bitte Licht ausmachen, bevor Sie das Haus verlassen!“, So etwas habe ich vorher noch nie gesehen, aber ich dachte: „So etwas kann es doch nur in einer deutschen Ferienwohnung geben.“
    Pauschalisieren darf man das sicher nicht, aber auch darin sind wir Deutschen ja recht gut…

    Beste Grüße,
    Gedanquill

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.