Archive for the ‘deltarium’ Category

kryptisches vergessen

Samstag, August 21st, 2010

worte Verdichten
zu einem wasserfest lichten Gespinst

der sinn reitet auf drei tragflächen

davon
ist immer eine bruchkante
im Gefüge
je dichter je dunkler
und schwerer
wird die Kryptik zur krypta

verherbergt heilig
begraben der zugang
zum Wort

keine
entblätterung
kleidet sich in die unendliche Distanz
zum vergessenen.

Des Toren linkes Ohr

Donnerstag, Juni 25th, 2009

Ein Tor verlor sein linkes Ohr,
ganz leise, unbemerkt und still.
Das kam ihm ziemlich seltsam vor,
warum sein Ohr nicht bleiben will?

Dies Ohr war ihm nicht wohl gesonnen,
von außen fing es nur den Schmutz.
nach innen ist er dann geronnen,
und drinnen hat er so gesponnen,
dass es fiel ab wie feuchter Putz.

So schritt er aus, es aufzufinden.
und fand es schlafend in der Sonn‘.
Doch als er es wollt an sich binden,
flog es sogleich wieder davon.

Der Tor, der nickt bedeutungsschwer:
Was einmal war von Licht durchflossen,
das kommt zu einem Tor nicht mehr.
Er warf den Mund gleich hinterher,
das Auge hat sich angeschlossen.

So war sein Kopf nun wohl verschlossen
mit allem Schmutz, der drin verblieben.
Im Sonnenschein hat er genossen,
sich innerlich neu durchzusieben.

Und rechtes Auge, zweites Ohr,
verhielten sich mucksmäuschenstill,
dass nicht bemerkt, der brave Tor,
was er noch nicht im Dreck verlor.

Jäger des verlorenen Satzes

Mittwoch, Dezember 5th, 2007

Ich stöbere im Wortgefledder,
und breche Zeilen an den Lauten,
die Zungen aus dem Schädel hauten,
wie kurzgeschlossene Zettelshredder.

Wo stecken all die Perlen nur,
in Ewigkeiten ausgebrütet?
Verborgene Diamantenspur,
hat zuviel Feinschliff hier gewütet?

Geheimnisse im dünnen Darme
der Verse, Bilder, Reimgebilde.
Auch Lesus Kryptus hebt die Arme,
birgt Leere, Geiles, Tote, Wilde.

Doch hinter Hof und Altpapier,
in Ekelhaft und Grab gekettet,
dort glimmen lichterfunkel vier
der Strophen sanft in Samt gebettet.

Und himmlisch rein, als Seelentor,
erstrahlt die fünfte dann empor.
Mit Tränenzittern, Augenbeben,
erlangt mein Suchen neues Leben,

Wahres Streben!
Schatz zu heben,
mir gegeben!

So wühle ich im Wortgeflodder,
und breche Laute an den Zeilen,
die Hirnen aus dem Schädel eilen,
wie grünverdünnter Nasenschnodder…

Tortenfraß

Dienstag, Januar 2nd, 2007

Tortenfraß, ein Phänomen,
nah verwand dem Sockenschwund.
Eben noch das Stück geseh’n,
stirbt es fort in fremdem Mund.

Welches Maul dies Stück verdrückte,
kann ich leider nicht berichten,
weil es mir noch niemals glückte,
den Verdacht auch zu verdichten.

Seifensichtung, Handtuchschnüffeln,
Klebespuren, Krümelreste,
konnt‘ am Ende keinen rüffeln,
jeder strahlt in weißer Weste.

Trösten kann der Spuk von Socken:
Stets von Zwei’n nur einer schwindet.
Türmt aus Trommeln nass und trocken,
niemals man ihn wiederfindet.

War’s am Ende doch der Strumpf,
der so dreist mir Torte raubt.
Stopft er Stücke in den Rumpf
und flieht?
Hab’s Dir, Tochter, fast geglaubt.

Mazaru: Diogenes unter Gleichen

Freitag, Dezember 29th, 2006

Drei Affen saßen nahe bei
einem Flusse auf der Ley.
Sinnierten, legten eifrig dar,
was wäre, ist und wirklich war.
Der Dritte sprach vom Lebenssinn,
von dem Woher und dem Wohin:

„Das Leben gleicht des Flusses Strömung.
Das Zeitentempo braucht Gewöhnung.
Die Richtung ist klar vorgegeben,
streng abwärts führt das ganze Leben.
Ich wünschte mir, ich wär ein Fisch,
kenn‘ Strömung nicht, nur Wasser frisch!“

„Ich sehe nicht, wie soll das gehen?
Du kannst ja nicht mal darin stehen!
Und Dich im Fluss auch nur zu taufen,
ein guter Plan Dich zu ersaufen.“
So sprach der Zweite voller Drang
und folgte weiter diesem Zwang:

„Das Leben ist ein Licht der Kerzen.
Man brennt vor Liebe und vor Schmerzen.
Und stimmt des Dochtes Länge auch,
verlöscht das Licht im fremden Hauch,
im eigenen Wachs schon vor der Zeit.
Man selbst ist blind vor Helligkeit.“

Der Erste rümpfte seine Nase,
und lautlos lachend hüpft der Bauch.
die Knie verschränkten seine Blase,
die Hände seine Lippen auch.
Die Augen sprühten Götterfunken
es schien, er hatte was getrunken.

Die beiden sahen, hörten das
verstanden nicht des Ersten Spass.
den Zweiten bei der Hand genommen,
so ist der Dritte fort geklommen.

Der Erste aber voller Wonne
stumm räkelt sich auf warmem Stein.
Genießt das Licht der Abendsonne,
den Rausch des Wassers spürt am Bein.
Gleich hinter ihm döst seine Tonne,
in ihrem Schatten schläft der Wein.

Außenseiter

Freitag, Dezember 8th, 2006

Welch Intellekt strahlt unverdeckt
wenn ich gar trefflich Worte werfe.
Der Einschlag wahre Achtung weckt,
berühmt ist meine Geistesschärfe.

Respektvoll aber ohne Liebe
begegnet man mir vor dem Geist.
Von hinten setzt man Seitenhiebe,
wie Klebschmutz Lügen nach mir schmeißt.

Ich kann dies tragen, Schmutz perlt ab.
Doch deshalb trifft mich umso schärfer
wenn einem ich Vertrauen gab.
…und dieser ist der beste Werfer.

Du stinkst!

Montag, Dezember 4th, 2006

Gesicht gelackt, starr wankt das Haar zum Tanz,
die Pferde scharren stumm in Stahl geschraubt
Er pfeift, die Flusen vom Jackett geklaubt.
Im Licht döst Chrom bewehrter Haubenglanz.

Zu spät! Geschwänzt der Nässe Rituale
stirbt Reiterstiefel’s  Duft in neuem Leder.
Sie tief sich taucht in Hauch von Moos und Zeder,
verreibt der Spritzer Lehm, die Blässe und die Male.

Dem Löwenbrüllen gleicht der Pferde Schrei.
Sie stolpert hin zur Straße, halb gekleidet.
Im Walzenkreischen schmiert ihr Prinz herbei.

Ins Plüsch Sie pflanzt sich, schwach ihn meidet.
Wehrt der Hände pulen, schält sie frei.
Sein Hals sie rettet, spitzer Satz: Er leidet.

Volksverhelfer

Freitag, November 24th, 2006

Ihr Überwinder, Lösungsfinder,
seid Gotteskinder, Volksverbinder.
sucht Willenskrieger, Angstbesieger,
nährt Leistungsträger, Überflieger!

So hoch führt Ihr die Spannungsleitung
mit Händen fangt Gewitterblitze
Schaut täglich aus der Tageszeitung
Sprecht spritzig feine Sprachenspitze

Mit blumig weichem Stahlglanzlächeln
führt Welten, Krieg, Globalverkehr
versteht das Kuppeln, Tritteln, Rächeln
gewandt, galant, bedeutungsschwer

Erschnüffelt blind aus Eurem Sitz
das Volk, dass Euch verdauen mag
habt Euch aus einem Holz geschnitzt
das oft im Wind gebogen lag.

Und in die Bücher der Geschichtler
verbohrt Ihr Nase, Augen, Ohren
dass Eure edlen Glanzgesichter
gehn für die Nachwelt nicht verloren.

Bettelträumer

Donnerstag, November 23rd, 2006

Ach, endlich, welch ein guter Tag!
Gleich zwanzig Abos an der Tür,
Sonst ich mich mit dem Drücken plag,
doch heut lief’s gut, schlägt erst halb vier.

Jetzt schnell, in die belebte Gasse,
die Zeit will ich zum Betteln nutzen.
Mein Gott, wie ich Hausieren hasse,
und täglich diese Klinken putzen.

Es regnet, meine Füße brennen.
Wie weit bin ich denn bloß gelaufen?
Noch ein paar Euro und dann pennen.
doch vorher drängt’s mich was zu saufen.

Nur einen Kleinen, will nicht enden,
wie da die Penner an den Wänden.

Dort drüben ist es noch schön trocken,
heraus mein Schild und auch die Mütze.
Werd mich auf meine Tasche hocken,
damit ich nicht so kalt hier sitze.

Ach liebe Leut‘! Gebt nur genug!
Nur Fraß verfüttert mir mein Quäler.
ich brauch‘ ein Ticket für ’nen Zug
möcht fliehen in des Elsass Täler.

Dort melde ich mich insolvent,
rät Hotte, wegen meiner Schulden.
Ist einer, der die Tricks gut kennt,
zwei Jahre nur muss mich gedulden.

Hierzulande sind es sieben,
das ist eine lange Zeit.
Immer nur herumgetrieben!
Hass‘ es, bin das Dämmern leid.

Vielleicht werd‘ ich dann Publizist.
In diesem Buch ist’s gut erklärt.
Und wenn das gar nichts für mich ist,
dann läuft’s wie immer: Grundverkehrt.

Der Oberbonze, Nadelstreifen
warum wohl starrt er mich so an?
Kann wohl mein Elend nicht begreifen,
ich schau Ihn lieber gar nicht an.

Wie ich das hasse, ich mich schäme,
Oh, Dank! Ein Euro! Hilft mir weiter…
Wenn ich nur in das Elsass käme,
vergäß ich meinen Seeleneiter…

Da sind die ander’n, ist’s gelaufen?
Ja, geht auf Weihnacht langsam hin.
So lasst uns schnell noch einen saufen.
Mist, nichts mehr in der Flasche drin?

Um drei Viertel, Menschenskinder,
in den Bus pfercht er uns wieder.
Dieser alte Menschenschinder,
schlag‘ ihn eines Tages nieder…

Bettelgott

Mittwoch, November 22nd, 2006

Hier Unterführung, dunkel dreckig,
dort kalt beweintes Buntsteinpflaster.
Ein Bettler hockt, Klamotten speckig,
vor ihm das Mützlein für den Zaster.

Hält krumm gebeugt den Kopf gesenkt.
Sein Haar ist fettig, nicht bedeckt.
Hält vor mir sein Gesicht versteckt,
möcht sicher gerne Geld geschenkt.

Sitzt noch im Trocknen, schon im Licht
ein bessres Plätzchen gibt’s hier nicht.

Und weil ihm grad das Leben fad
liest er ein Buch ganz angestrengt,
dass er nicht so ans Betteln denkt.
Schier Stein er starrt zur guten Tat.

Erklären braucht er auch nicht viel.
Ein Pappschild klare Auskunft weiß:
Muss Betteln – ihm ein Kinderspiel
ihn Lesen lassen lohnt den Preis.

Die Mütz schon manche Münze hält
und die Lektüre scheint gewitzt.
Zufrieden blickt er auf das Geld.
Es scheint, dass er hier gerne sitzt.

Ein junger Kerl, könnt Bäume heben!
sieht wohlgenährt und kräftig aus.
Warum soll ich ihm etwas geben?
Er sieht doch so beschäftigt aus.

Ist’s etwa ein geringster Bruder,
ist Jesus, gleich, von mir beschenkt?
Trügt ohne Puder Wohlstands Luder,
geheim sich Hohn und Häme denkt:

„An Langmut leidet diese Welt:
Viel Gram im Spiel zwingt Scham zu Geld!“

Ich denk an Jesus, ruf ihn leis‘.
Der Bettler liest, hat nicht gehört.
„Herr Jesus, zahl ich Dir die Speis‘?“
Kein Wort den Tropf beim Lesen stört.

Scheint so beschäftigt, keine Zeit.
Ich geh aus reiner Höflichkeit.

Und später auf dem Weg nach Hause
seh ich ihn im Gespräch versunken.
Des Pappschild’s Botschaft ist nun „Pause“.
Es wird gelacht – und Bier getrunken.

Ich trotte heim, fühl mich zerrissen
Des Lasters Kosten mir zur Last!
Welch Wähnen wundet mein Gewissen?
Kein Goldstück hab‘ ich angefasst.
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