Archive for the ‘Ende’ Category

execution

Donnerstag, Januar 4th, 2007

hände hat man mir gebunden.
schweiß stinkt beißend mir ins hirn
aus der Augen zwängend zwirn
seelenahnen riecht die stunden.

haltung zwingt das kreuz der hände
selbst in bande eingeschlungen
schleichend scharf ins fleisch gedrungen
fingerkuppen streicheln wände

rotz und regen kühlt die wangen
so wie schrei und spott das ohr
steh‘ mir selbst betrachtend vor
seh mich atmen hör mich bangen

schmerz im arm stößt mich ins ich
platze auf in hass und fieber
schneller tod ist wär mir lieber
augen frei und messerstich!

Halte ein, lebloses Tier!
Ich! Bin Leben! Kann mich ändern!
Schrei ich denn zu Kleiderständern?
Ohh, erkenn‘ den Mensch in mir!

hähme grinst durch tränenfluss
zentnerschweres kinngewicht
fairer abschied ist das nicht
schwarz allein leer gähnen schuss…

Auch Heulen ist Luxus

Samstag, Dezember 30th, 2006

Ich bin ja schon reichlich dort rum gekrochen,
allwissende Müllhalde scheinst Du zu sein.
Gebrochenes hab ich schon öfter gerochen,
schwamm faserig düster auf Tränen und Schleim.

Ganz früher entdeckte man glänzende Tips
erfahrener User und mutiger Köpfe.
Doch heute erwische ich Eiter und Gips
der heulenden Kranken und blubbernder Tröpfe.

Die Lasten von manchen sind grausam und schwer,
doch meistens erwische ich Wohlstand im Schwinden.
Es jammern nur alle, man will sich nicht schinden.

Beklagt wird der Sturz von Heil Deutschland ins Meer,
und heftig bedrückt, dass die Börsen so leer.
Die Globalisierung kann keiner verwinden.

Lieberinnern

Samstag, Dezember 16th, 2006

Spinnen krabbeln durch die Lade,
Bogen schwingend ihre Ellen.
Tatterschmatzend rührt die Lade,
Spinnenbeingelenke schwellen.

Sie finden tastend nicht heran
an Farbentupfer, staubbedeckt,
des schönen, jungen, alten Mann,
der sicher in der Lade steckt.

Flattertakt lässt wackeldackeln
Straußenbeine, Gockelhals,
selbst der Blick muss gegenwackeln
sieht nichts, aber tut so als.

Ob die eingerahmte Liebe
gar nicht mehr dort drinnen ist?
Mörder, Schurken, böse Diebe?
Fern geseh’n vor Stundenfrist.

Seufzerknirschen, Lippen richten
wieder kunstvoll Kieferbauten.
Seele dreht in Rückwärtssichten,
leblos gleich die Augen schauten.

Erschöpftes Setzen in Verfall
schweift Erinnern aus dem Fenster.
So schön war’s früher – überall.
Heut nur draußen – drin Gespenster.

Heldiot

Dienstag, November 21st, 2006

Seit früh um vier
ein Turm von Fragen
ich sitze hier
um mich zu plagen
doch stört’s mich nicht
voll Zuversicht.

Kollegen alle längst schon fort,
der Chef ist auch schon lang daheim
Das Büro ist jetzt ein stiller Ort,
frei von tumbem Redeschleim.

Die Fenster sind nun dunkle Wände
ich denke eine Kleinigkeit
Kaffeezittern führt die Hände
bedenke sie für eine Zeit
Mund stinketrocken
ausgedörrt
Gedankenblitz zieht Speichelflocken
ins schwarze Loch
Nichts
was mich stört

Ich denke – was? Wo war ich noch?

Ein Blick zum schwarzen Fensterspiegel
seh ich mich grinsen.
Über meinem Brillenbügel
gelbgefleckte Brennstofflinsen
ein fratzenguter Witz.
Wangen, Brauen wollen kneifen
gußstahlstarre Willensreste
auf Naseweiß, schweißglänzend spitz
reiten dunkle Augenreifen

Ja, ich bin der Allerbeste.

Die Lochfraßopfer wieder raus
aus meiner Scharfsinnssenke.
Mein Bildschirm sieht so komisch aus
– Weiß ich was ich denke? –
ist völlig schwarz wie Druckertoner
der Arbeit Hälfte ist vollbracht
ach stimmt ja, ist der Bildschirmschoner.
Hah, nur keine Müdigkeit!
Rest schaff ich, wäre doch gelacht.

Erst zehne, bleibt noch ewig Zeit.

Das Aquarium der Finsternis
zückt zuckerbunte Lichterplatten
schlägt hinter mir den scharfen Riss
aus krummgehockten Körpers Schatten
als Wändedruck in später Nacht.

– Was war noch gleich mein Streben? –
Was wollt ich noch mit aller Macht?
Bald ist’s vollbracht,
will alles geben.
So dunkel hier
kurz Augenschließen
ein zahlreich schwarzes Traumgetier
ergießt sich – kaum mehr Licht zum Denken.
Pechzungengleich Gedanken fließen

Muss ich denn alle Zeit verschenken?

Blick wieder auf
doch stark getrübt
mitwandernd schwarzer Federschnee
was nächtens es nicht alles gibt
das ich solch wirre Dinge seh.

Zum Fertigwerden hab ich Lust
auf meiner Stirn nun kalter Schweiß.
Den Ledergürtel zieht mir wer
um die Brust!
Stahlklammerfaust!
wie’s in mir reißt…
ich atme
schwer
mein Herz
schläft
ein
will
kann nicht
schrei´n
hab Blut im Ohr…

schon Nichtgedanken…
Flackerkerze…
Schulterschwanken

Kalter Graus!

Mein Ich
und Denken
Licht
geht
aus…

…umfängt mich sacht
Bewusstsleere…
Nichts vollbracht…
…was fertig wäre…

blick in den trichter

Freitag, Oktober 27th, 2006

Das gefühlte Ende ist fern.

Was vor zwei Händen voller Frühling noch ein ungeglaubt gewusstes gedankenspiel gewesen, ist nun überzeugt denkbar geworden.
Glieder fühlen ist
Wissen spüren durch Erfahrung.

Der Horizont ist ein Trichter von noch unendlicher Breite.
Ich sehe den schwarzen Punkt pfeilblickfern am Ende der zulaufenden Spitze
nicht.

Nicht später als der 21. April 2091.
Das ist tropftrudelschweres Kinngewicht. Schon jetzt.