Archive for the ‘federnschwindel’ Category

Des Toren linkes Ohr

Donnerstag, Juni 25th, 2009

Ein Tor verlor sein linkes Ohr,
ganz leise, unbemerkt und still.
Das kam ihm ziemlich seltsam vor,
warum sein Ohr nicht bleiben will?

Dies Ohr war ihm nicht wohl gesonnen,
von außen fing es nur den Schmutz.
nach innen ist er dann geronnen,
und drinnen hat er so gesponnen,
dass es fiel ab wie feuchter Putz.

So schritt er aus, es aufzufinden.
und fand es schlafend in der Sonn‘.
Doch als er es wollt an sich binden,
flog es sogleich wieder davon.

Der Tor, der nickt bedeutungsschwer:
Was einmal war von Licht durchflossen,
das kommt zu einem Tor nicht mehr.
Er warf den Mund gleich hinterher,
das Auge hat sich angeschlossen.

So war sein Kopf nun wohl verschlossen
mit allem Schmutz, der drin verblieben.
Im Sonnenschein hat er genossen,
sich innerlich neu durchzusieben.

Und rechtes Auge, zweites Ohr,
verhielten sich mucksmäuschenstill,
dass nicht bemerkt, der brave Tor,
was er noch nicht im Dreck verlor.

Ätherall

Sonntag, August 12th, 2007

Göttlich rein durchhaucht mich was,
ein Vergessen, ein Verblassen.
Reinigt mir das Stundenglas,
trennt die Fesseln, die mich fassen.

Fremdvertraute Atemseele
löst mein Zwingen, läßt es baumeln.
Tränen rinnen durch die Kehle,
ohne Lehne müsst ich taumeln.

Welcher Einklang, dieser Friede!
Klippen schmelzen, Felsen kippen.
Seufzerfallen tiefster Tide
löscht den Harm mir auf den Lippen.

Alles Schwinden ist ein Fließen,
ein Vergießen in den Winden.
Bindet nur mich das Genießen,
aufgelöst mich selbst zu finden.

Seelentroß

Freitag, Februar 16th, 2007

Gleich stirbt der Tag
mit Glockenschlag.
Ich bin noch wach
und denke nach.

Mein Herz ist Hand
nach vorn gewandt
und bremst die Zeit,
die mich befreit.

Allein mit mir
wach ich bei Dir
und denk an Licht.
Ich brauch Dich nicht.

Zu sehr verweist
ist noch mein Geist.
Die Seele reist
zu langsam meist.

Es wird mir still
weil ich es will.
Bin Ihr mir wert.
Zurück, gekehrt.

Der Phönix stirbt freitags

Sonntag, Januar 28th, 2007

Vom Wochenflug ins Bett gesunken
so bruchstürzt Phönix heimwärts meist
Der Landung Reibung schlägt den Funken,
er brennt sich aus mit Kräutergeist.

Die Frau versorgt den Brand mit Scheiten.
Wenn’s Herz nicht wärmt, glüht doch das Fühlen.
Anstatt zu dumpfen lieber streiten,
soll Leidenschaft nicht ganz erkühlen.

So brennt am Samstag stets die Hütte,
wenn Phönix noch in Asche stirbt.
Bleibt ungehört der Kinder Bitte,
vergebens sie zum Spiele wirbt.

Die ganze Woche Federnpracht
in mächtig kreisend Flügelschlagen,
im stolzen Flug zur Schau gebracht,
wie’s andere Vögel selten wagen.
vergeh’n zu Grau des Freitags Nacht.

Dann, Sonntagabend, aus dem Staube,
von Frau und Kind nicht mehr erwartet,
erwächst die neue Federhaube.
Ihr Phönix in die Woche startet.

Todestango der trüben Tassen

Mittwoch, Januar 3rd, 2007

Trübe Tassen tanzen träge
auf des Rolltors Rampenschräge.

Fernbedienungs Feinjustiz
elektronisch zockelzittert
stumpfen Winkel sanft zu spitz.

Tassenpulk gemächlich schlittert
dank erhöhtem Toreswinkel
auf vergoss’nem Kaffeepinkel
bis zum Rand und stoppt dort leicht.

Tortanzende ist erreicht.
Letzter Zuck am Zappertaster
Lemmingsporzellan zersplittert
auf dem Kopfsandbuntsteinpflaster,
Kaffeeboden aufgeweicht.

Dumm nur, dass des Tores Rolle
dieser Handlung nicht entspricht
immer senkrecht rollt das Tolle,
schon elektrisch, schräg doch nicht.

Heldiot

Dienstag, November 21st, 2006

Seit früh um vier
ein Turm von Fragen
ich sitze hier
um mich zu plagen
doch stört’s mich nicht
voll Zuversicht.

Kollegen alle längst schon fort,
der Chef ist auch schon lang daheim
Das Büro ist jetzt ein stiller Ort,
frei von tumbem Redeschleim.

Die Fenster sind nun dunkle Wände
ich denke eine Kleinigkeit
Kaffeezittern führt die Hände
bedenke sie für eine Zeit
Mund stinketrocken
ausgedörrt
Gedankenblitz zieht Speichelflocken
ins schwarze Loch
Nichts
was mich stört

Ich denke – was? Wo war ich noch?

Ein Blick zum schwarzen Fensterspiegel
seh ich mich grinsen.
Über meinem Brillenbügel
gelbgefleckte Brennstofflinsen
ein fratzenguter Witz.
Wangen, Brauen wollen kneifen
gußstahlstarre Willensreste
auf Naseweiß, schweißglänzend spitz
reiten dunkle Augenreifen

Ja, ich bin der Allerbeste.

Die Lochfraßopfer wieder raus
aus meiner Scharfsinnssenke.
Mein Bildschirm sieht so komisch aus
– Weiß ich was ich denke? –
ist völlig schwarz wie Druckertoner
der Arbeit Hälfte ist vollbracht
ach stimmt ja, ist der Bildschirmschoner.
Hah, nur keine Müdigkeit!
Rest schaff ich, wäre doch gelacht.

Erst zehne, bleibt noch ewig Zeit.

Das Aquarium der Finsternis
zückt zuckerbunte Lichterplatten
schlägt hinter mir den scharfen Riss
aus krummgehockten Körpers Schatten
als Wändedruck in später Nacht.

– Was war noch gleich mein Streben? –
Was wollt ich noch mit aller Macht?
Bald ist’s vollbracht,
will alles geben.
So dunkel hier
kurz Augenschließen
ein zahlreich schwarzes Traumgetier
ergießt sich – kaum mehr Licht zum Denken.
Pechzungengleich Gedanken fließen

Muss ich denn alle Zeit verschenken?

Blick wieder auf
doch stark getrübt
mitwandernd schwarzer Federschnee
was nächtens es nicht alles gibt
das ich solch wirre Dinge seh.

Zum Fertigwerden hab ich Lust
auf meiner Stirn nun kalter Schweiß.
Den Ledergürtel zieht mir wer
um die Brust!
Stahlklammerfaust!
wie’s in mir reißt…
ich atme
schwer
mein Herz
schläft
ein
will
kann nicht
schrei´n
hab Blut im Ohr…

schon Nichtgedanken…
Flackerkerze…
Schulterschwanken

Kalter Graus!

Mein Ich
und Denken
Licht
geht
aus…

…umfängt mich sacht
Bewusstsleere…
Nichts vollbracht…
…was fertig wäre…

zeit zu grüßen

Freitag, Oktober 27th, 2006

Innere Sekunden

sind Minuten gleichförmiger Langsambetrachtung.
Entspannung sich innerlich versichert, dröge Leere mit zusammengebissenen Zähnen gepackt.
Die Augen spüren den Kiefer nicht mehr.

Der Federschwindel ist die Lüge des Willens gegen das Kinngewicht.
Mein Kopf läuft aus. Gleichmäßig langsam.

Schmerzender Liderschlag verrät die wahre Last.
Es ist Zeit zu grüßen

den Schlaf.