Archive for the ‘Sein Ich sein’ Category

Abendmahl

Samstag, Dezember 1st, 2007

Der Wille ward frei durch den Schmerz
des Menschensohns opferndes Fügen.
Zum Heil weist den Geist nur das Herz,
Verstand ist die Schale für Lügen

Und Qual.

Ich sehe die Hoffnung der Liebe
zum Darwin’schen Wandel der Glut,
zum Dulden der Hiebe und Triebe
der mordenden, sterbenden Brut

Großer Zahl.

Der Rotwein ist Blut meiner Sünden,
der Laib Frucht für meine Begier.
So schluck ich das mahnende Künden,
von Liebe als göttlicher Zier

Deiner Wahl.

So schmecke ich täglich die Traube
als Sünde mir gänzlich gewahr.
und speise im ehrlichen Glaube,
dass dieses Dein Ansinnen war

Aus dem Gral.

Ätherall

Sonntag, August 12th, 2007

Göttlich rein durchhaucht mich was,
ein Vergessen, ein Verblassen.
Reinigt mir das Stundenglas,
trennt die Fesseln, die mich fassen.

Fremdvertraute Atemseele
löst mein Zwingen, läßt es baumeln.
Tränen rinnen durch die Kehle,
ohne Lehne müsst ich taumeln.

Welcher Einklang, dieser Friede!
Klippen schmelzen, Felsen kippen.
Seufzerfallen tiefster Tide
löscht den Harm mir auf den Lippen.

Alles Schwinden ist ein Fließen,
ein Vergießen in den Winden.
Bindet nur mich das Genießen,
aufgelöst mich selbst zu finden.

Treiben im Regen

Samstag, März 3rd, 2007

Wie gierende Blüten erbeben die Hände,
im Takte sich räkelnd hinauf in die Lüfte.
Es wiegt sich mein Körper im kreisenden Tanz.
Die Haare mir streicheln so sanft und behende
als glänzglatte Seide auf schwingender Hüfte,
dass Knospen erblühen im hauchnassem Kranz.

Als lindwarmes Prickeln umschließt mich die Nässe,
beklatscht mich im Wirbeln mit leisem Applaus.
Die Achseln verströmen in hauchender Kühle
die Ahnung von Flammen auf glühender Blässe.
Es treibt mich ein Sehnen nach Rhythmus hinaus
in dampfende Güsse und tropische Schwüle.

Die Süßwasserperlen umschließen das Salz
und spülen erregt über Wange und Hals,
versinken im duftenden, schwellenden Schoß.
Mit gleitenden Händen, so stell ich ihn bloß.
Verrutschende Wäsche bedeckt mich nur knapp,
die Jeanshose klebt und ich streife sie ab.

Sie umschmeichelt die Füße, sucht saugend nach Halt,
nur ein nasswarmes Brodeln besprenkelt mich heiß.
Und mein Stampfen entfesselt die sanfte Gewalt,
taucht die glänzende Haut in Verlangen und Schweiß.
Ich erwecke den warmen, benetzten Asphalt,
und die in mir verborgene Wollustgestalt

bäumt den Körper mir auf, wie zum Bogen gespannt,
beide Arme, Gesicht in den Regen gereckt.
Und wie Nebel durchdrängt mich ein Ziehen der Lust,
wird ein Strömen von schmelzendem, glühendem Brand,
der ein berstendes Stöhnen und Fühlen erweckt,
schieb mir langsam die Bluse von wölbender Brust.

Fremde Hände erspüren die Taille an mir,
rücklings pressend Dein Knie in die Hitze entgleitet
und gekonnt meinen Schritt hin zum Torbogen weitet.
Die Berührung genossen, zur Statue gegossen,
mein Beherrschen zerborsten, das Denken geschlossen,
explodiert mein Empfinden, bin tobende Gier.

Völlig lebengeflutet, verwandelt und frei,
so entfährt mir ein wildes Walkürengeschrei.
Hab Dein Drängen gepackt, mir zum Spaß, dir zur Qual,
deinen schutzlosen, zuckenden Lustmarterpfahl.
Steht nun auf, steht mir bei, steht mir zu, steht mir vor:
und ich öffne das schlingende, lüsterne Tor…

(c) 2007 by Gedanquill

Der Frühling trinkt aus meiner Hand

Mittwoch, Februar 21st, 2007

Ein unsichtbares Heer aus Lüften
belagert mich und macht mich krank,
schlägt mich mit Schleim und schlechten Düften.
Mein Kopf liegt auf der Fensterbank

und treibt hinaus in Frühlingshauch.
Der Zäune Latten Winterschatten
säumt ihn mit dicken Kältematten
und zwingt hernieder auf den Bauch

den frisch geschlüpften, herrlich bunten
federleichten Farbentupfen.
Mühsam schiebt er sich hinfort,
aus der Kälte letzten Hort.
Der Weg zu weit, der Kopf weit unten,
kein Wind hilft lupfend ihm zu hupfen.

Mein Blick wird Schmerz, treibt mich zurück
in glasgefassten Körperkampf.
Durchzuckt mich plötzlich dieses Glück,
gekränkt verblasst der Schädelkrampf.

Die Türen auf und aufgesprungen,
der Schritt beschwingt von Leichtigkeit,
ein Frühlingsklang aus mir gesungen,
nun trachte ich dem Winterleid.

Ganz sacht bewahrt ins Sonnenlachen,
so trage ich den zarten Schwachen.

Knarzt schabend laut sein Flügelschwingen,
will in der Sonne er vergehen?
Nur langsam, steif will ihm gelingen
auf eig’nen Füßen schon zu stehen.

Vom Wind gefällt und fortgeweht,
sogleich reich ich ihm meine Hand.
Oh Gott, er krabbelt rauf und steht!
Vielleicht hat er die Hand erkannt?

Ich will ihn retten, will sein Leben!
Betrachte seine blauen Augen:
Darf Honigtropfen ich Dir geben?
Sein Rüssel taucht, das Gold zu saugen.

Mein Blick streift zärtlich über ihn
Minuten, Wärme, Zeitvergessen.
Er fliegt! Und wirbelt leicht dahin,
hat Lenz aus meiner Hand gegessen.

Seelentroß

Freitag, Februar 16th, 2007

Gleich stirbt der Tag
mit Glockenschlag.
Ich bin noch wach
und denke nach.

Mein Herz ist Hand
nach vorn gewandt
und bremst die Zeit,
die mich befreit.

Allein mit mir
wach ich bei Dir
und denk an Licht.
Ich brauch Dich nicht.

Zu sehr verweist
ist noch mein Geist.
Die Seele reist
zu langsam meist.

Es wird mir still
weil ich es will.
Bin Ihr mir wert.
Zurück, gekehrt.

Der Phönix stirbt freitags

Sonntag, Januar 28th, 2007

Vom Wochenflug ins Bett gesunken
so bruchstürzt Phönix heimwärts meist
Der Landung Reibung schlägt den Funken,
er brennt sich aus mit Kräutergeist.

Die Frau versorgt den Brand mit Scheiten.
Wenn’s Herz nicht wärmt, glüht doch das Fühlen.
Anstatt zu dumpfen lieber streiten,
soll Leidenschaft nicht ganz erkühlen.

So brennt am Samstag stets die Hütte,
wenn Phönix noch in Asche stirbt.
Bleibt ungehört der Kinder Bitte,
vergebens sie zum Spiele wirbt.

Die ganze Woche Federnpracht
in mächtig kreisend Flügelschlagen,
im stolzen Flug zur Schau gebracht,
wie’s andere Vögel selten wagen.
vergeh’n zu Grau des Freitags Nacht.

Dann, Sonntagabend, aus dem Staube,
von Frau und Kind nicht mehr erwartet,
erwächst die neue Federhaube.
Ihr Phönix in die Woche startet.

Fünf Dinge

Samstag, Januar 27th, 2007

Ein Stöckchen für Stefanie

Der Dinge fünf, nur mir bekannt,
gewünscht von mir nicht, doch beschert.
Das Tor in mein verborg’nes Land
verschlossen. Schlüsselloch gewährt.

Nur ein einzig Band für ewig
schwor in Liebe ich vor Jahren.
Erstes Bändlein war zu wenig
rein und wert in Schmerzgefahren.

Der Töchter zwei sind mir geschenkt,
ein Weiteres strampelt in den März.
Beruflich bin ich selbst gelenkt,
und lebe ganz mit Kopf und Herz.

Vier Räder, meine Leidenschaft,
von Kindesbeinen an gespürt,
für Formen und geballte Kraft,
sind jetzt in Sinn und Zweck geschnürt.

In jedem fünften Frühlingswerben
Venedig bettet unser Herz
wo einst versprochen bis zum Sterben
erwacht Erinnern, Glück und Schmerz.

Versiegt Euch dieses Rinnsal wieder,
ihr habt gekostet von den Tropfen.
Der Dinge fünf schrieb ich hier nieder
das sechste birgt ein neuer Stopfen.

Träne des Himmelsstürmers

Donnerstag, Januar 18th, 2007

Viele tausend Meter tief
fällt ein einzig Tränentropfen.
Stummer Schrei um Hilfe rief,
Lebensloch ist nicht zu stopfen.

Pfeile lechzen nach dem Herzen,
Sonne dörrt den Willensflug.
Anmut deckt die Weglustschmerzen,
Es ist zu sehr nicht genug.

Kräftig weiches Flügelschlagen,
Flucht nach vorne, hoch hinaus.
Wille kann die Seele tragen,
nur der Körper stirbt sich aus.

Sieh ersehnend diesen Berg,
Ziel im Zehren von der Zeit,
einzig lebend Landelicht.
Höchste Ruh vollbringt das Werk,
lindert Sturz und Immerleid.

Meiner Elfentochter

Samstag, Januar 6th, 2007

Blaue Augen, welch Zauber in Dir,
klar und fragend so schaust Du mich an.
Suchst und findest den Schützer in mir,
bindest zärtlich den Vater und Mann.
Heilige Schwüre würd‘ ich auf Dich leisten.
Unverdorbenes Wissen und Wollen,
künftig das Rückgrat für Müssen und Sollen.

Edelsteine in Seide gefasst,
Sonnenfunkelnd Dein zartes Gesicht
Haut und Ohren von Elfen Du hast,
unantastbare Aura von Licht.
Werd‘ Dich bewahren vor Diebischen, Dreisten.
Sanft beherrscht ist Dein zärtliches Werben,
Fäden der Liebe spinnst ohne Verderben.

Schon als Baby von himmlischen Duft
war Dein samtiges, glänzendes Haar.
Fast zerbrechlich sensibler Verstand
führt Dich stetig durch Leben und Jahr.
Glück und Erkenntnis erfahre im meisten.
Taktgefühl hast schon immer besessen,
liebenden Vater darfst Du nicht vergessen.

execution

Donnerstag, Januar 4th, 2007

hände hat man mir gebunden.
schweiß stinkt beißend mir ins hirn
aus der Augen zwängend zwirn
seelenahnen riecht die stunden.

haltung zwingt das kreuz der hände
selbst in bande eingeschlungen
schleichend scharf ins fleisch gedrungen
fingerkuppen streicheln wände

rotz und regen kühlt die wangen
so wie schrei und spott das ohr
steh‘ mir selbst betrachtend vor
seh mich atmen hör mich bangen

schmerz im arm stößt mich ins ich
platze auf in hass und fieber
schneller tod ist wär mir lieber
augen frei und messerstich!

Halte ein, lebloses Tier!
Ich! Bin Leben! Kann mich ändern!
Schrei ich denn zu Kleiderständern?
Ohh, erkenn‘ den Mensch in mir!

hähme grinst durch tränenfluss
zentnerschweres kinngewicht
fairer abschied ist das nicht
schwarz allein leer gähnen schuss…